Krieger: Schaut man in die aktive reenacter Szene,
insbesondere wenn es um Kampfdarstellungen geht, wird der Eindruck erweckt,
damals hat es sich bei allen Männern um hochgerüstete Einzelkämpfer
gehandelt, die regelmäßig trainiert und gekämpft haben.
Dies stimmt nur sehr eingeschränkt.
Je nach Epoche und Land war das Leben hart und rau, unbarmherzig und
brutal, aber eben nicht ständig und schon gar nicht überall.
Den größten Teil seines Lebens versuchte der damalige Mensch
durch seine Hände Arbeit zu überleben. Bäuerliche Strukturen
prägten das frühe Europa, vor allem in Nordgermanien. Nur
die Länder, die sehr lange unter direktem römischen Einfluss
standen, entwickelten sich ein wenig anders, dies ist aber nicht Gegenstand
der Betrachtung.
Wenn also keine schlichte bäuerliche Darstellung gezeigt wird,
sondern eine Kriegergruppe dargestellt wird, sieht man meist langhaarige
Männer mit Kettenhemd, Helm, Schild und Schwert.
Was wurde aber wirklich in den Gräbern gefunden, wie sah der kämpfende
Mann wirklich aus?
Lanzen: fast jedes Männergrab beinhaltet eine
Lanzen- oder Geerspitze bzw. Frame. Schon die Römer berichteten
über die große Menge an Speeren und Lanzen in germanischen
Heerhaufen. Auf den Kampfplätzen der Reenactor sieht man sie aber
kaum. Dabei ist diese Waffe deutlich einfacher in der Herstellung, sehr
effektiv im Kampf und der Umgang dabei auch schnell zu erlernen. Außerdem
eignet sich eine Lanze sehr gut als Schutzwaffe, ist optimal für
die Jagd und zu dem noch als Gehhilfe und Lasttragehilfe zu nutzen.
Also eigentlich die Allroundwaffe schlecht hin. Eine besondere Entwicklung
der Lanze ist die Flügellanze, die besonders für berittene
Krieger den Vorteil brachte, dass die Spitze nicht unendlich tief einsinkt,
sondern nur bis zu den Flügeln in einen Gegner gerammt wurde und
so im Angriff mehrfach genutzt werden konnte. Dabei ist es nicht notwendig
die Flügel quer zum Stoß anzubringen, da durch den Druck
beim Stoß die Klinge so stark bewegt wird, dass ein exaktes Folgen
des Schaftes im Grunde unmöglich ist, und somit auch ein Einsinken
der Flügel in die Wunde nicht vorkommt. Dies haben Erfahrungen
aus der Jagd bewiesen. Die Franken haben diese Klingenart viel verwendet
und später findet man diese Klingenform auch bei den Sachsen sehr
häufig.

Passiv Schutz: Schilde sind, durch diverse Schildbuckelfunde
gut belegt, ständig am Mann. Anhand der Eisenbuckel kann man schon
bei der Ausgrabung relativ schnell eine Klassifizierung vornehmen, da
einige Buckel charakteristisch sind. Der metallne Buckel diente wohl
in erster Line dazu, die Schildhand zu schützen. Bei den Schilden
handelt es sich meist um einfache Rundschilde aus Holz, überwiegend
aus relativ weicher Linde. Sie bietet im Verhältnis zum Gewicht
einen zuverlässigen ballistischen Schutz. Es gibt Funde, die den
Schluss zulassen, dass ein Schild auch mit Leinen bezogen wurde, um
die Elastizität zu erhöhen, oder sogar komplett mit Rohhaut
überzogen war, somit zwar sehr leicht blieb, aber enorm stabil
wurde. Die Römer berichteten, dass die Germanen es liebten Ihre
Schilde bunt anzumalen und auf Psalterbildern erkennt man, dass auch
noch im 8. Jahrhundert Schilde nicht besonders schlicht gewesen sind.
Aber dort ist gut zu erkennen, dass sich in dieser Zeit bei den Sachsen
der gewölbte Rundschild durchgesetzt hatte, anders als bei ihren
nordischen Nachbarn.

Hieb- und Stichwaffen: Sehr häufig kommen auch
Äxte und Messer in den Gräbern vor. Die Messer dienten sicher
als Esswerkzeug und natürlich als ständiger Begleiter in allen
Lagen des Lebens. Die Axt war Waffe und wichtiges Werkzeug zugleich.
Es gibt zwar besondere Blatttypen, die sich nur zum Fällen eines
Baumes, glätten eines Brettes oder spalten von Holzscheiten eignen,
aber gerade bei den Sachsen findet man häufig einen allgemein nutzbaren
Typ vor, der eben auch kampftauglich ist . Besondere Ausnahme hier ist
die Wurfaxt der Franken, die gefürchtete Franziska. Korrekt geworfen
durchschlug sie möglicherweise Schilde und Helme.
Und vor allem das Sax bzw. Scrama Sax, in verschiednen Längen und
Stärken liegt Männergräbern bei. Eine Waffe, die von
vielen Stämmen und Gruppen genutzt wurde. Als Reiterwaffe war dass
Sachs wohl der Vorläufer des Säbels. Es soll auch den Sachsen
Ihren Namen gegeben haben und Ihr wichtiger Gott sahsnot ist die Verkörperung
dieser Waffe. Diese Waffe war sehr einfach und schlicht, aber grausam
wirkungsvoll! Der breite Rücken wirkt wie ein Spaltkeil, sein hohes
Eigengewicht schob den Sax unaufhörlich durch Schilde, Kettenpanzer
und Körper, die Klinge war enorm stabil und dadurch besonders zuverlässig.
Und natürlich gab es auch das Schwert, das germanische Spatha,
zweischneidig in verschiedenen Längen. Abgeschaut von den Römern,
und zwar nicht dem Gladius, sondern dem Offiziersschwert. Es gehört
im Grunde einem Anführer, Häuptling oder Schiffsführer.
Es war zwar nicht selten, die Menge an Schwertfunden ist groß.
Aber man darf aber nicht vergessen, die meisten der Gräber die
man gefunden hat, gehören sowieso schon zu herausgestellten Persönlichkeiten.
Bis zum 8. Jahrhundert fand man dass Spatha sehr häufig, im Sachsenkrieg
ging es dann fast auf Null zurück. Erst die Ottonen nutzen wieder
sehr häufig Schwerter, dann fränkische Klingen mit eigenen
Knäufen / Gefäßen, wie es auch die Wikinger gerne taten.
Einfache Bauern- und Handwerkergräber werden selten gefunden, bzw.
diese Menschen wurden wohl eher verbrannt und unspektakulär beerdigt.
Sie hinterließen somit kaum verwertbare Spuren. Bedeutende Anführer,
wenn sie verbrannt wurden, hinterließen in der Asche zumindest
Ihre Eisenwaffen. Man darf also nicht davon ausgehen, dass jeder Mann
schwer bewaffnet war, nur weil viele Gräber das so darstellen.


Zeitschrift:
Niedersächsischer Jäger 6/2008
Fernwaffen: der Bogen wurde von den Germanen anfänglich
wohl ausschließlich zur Jagd benutzt, das Töten eines Feindes
aus großer Entfernung war für einen Krieger nichts Ehrbares.
Möglicherweise haben aber die Kelten oder auch die Römer die
Germanen dazu bewogen diese Denkweise zu ändern, zumindest wenn
man eben diesen Gegnern entgegen treten musste. Schon in der Völkerwanderungszeit
änderte sich das dann gründlich, möglicherweise angeschoben
durch die Reitervölker, die Nordeuropa heimsuchten und mit Ihren
besonderen Bögen vom Pferd aus kämpften.

Dat Beekfolk
- Finja
Im 8. Jahrhundert zumindest war es dann definitiv eine Jagd- und Kampfwaffe
zugleich, hatte aber keine besondere Bedeutung, wie zB das Sax. Vom
Typ her handelte es sich um einen Langbogen (mindestens Körperlänge
des Schützen im Entspannten Zustand), meist aus Eibenholz, wobei
auch Esche als Bogenholz genutzt wurde. Die Pfeilspitzen sind zwar im
Vergleich zu anderen germanischen Pfeilspitzen recht groß, aber
in einfacher Lorbeerblattform gehalten. Sonderformen sind kaum darstellbar.
Da die Jagd ein besonderer Zeitvertreib der Sachsen war, ist anzunehmen,
dass der Bogen hier als Schwerpunktwaffe diente. Die Pfeilspitzen machten
große Wunden, die zu starkem Blutverlust führten, fehlende
Widerhaken weisen darauf hin, dass man die Pfeile öfter verwenden
wollte und sie schnell zu entfernen sein mussten. Dies spricht für
Jagdpfeile. Pfeile mit Widerhaken würden beim herausziehen das
Wildprett zu stark zerstören und nur unnötig schwer zu entfernen
sein.
Körperschutz: Ja, und dann gab es immer wieder
mal Kettenhemden in einzelnen Gräbern. Diese Funde sind über
das ganze germanische Gebiet verstreut, das bedeutet aber nicht, dass
es keine Kettenhemden gab, denn allein eine römische Legion hatte
mindestens 1000 Mann in Kettenhemden dabei, und in Kalkriese starben
ja etwa 20.000 römische Legionäre von 3 Legionen. Die Germanen
opferten aber gerne die Waffen und Ausrüstung Ihrer Feinde anstatt
sie selber zu nutzen. Zumal es für einen Germanen eine Ehre war,
in der Schlacht zu fallen und dann von den Walküren begleitet,
zu Wotan an die Tafel zu kommen. Wozu dann ein aufwendiger Körperschutz.
So sind diese Funde wohl herausgestellten Persönlichkeiten, regionalen
Anführern, Satrapen oder professionellen Kriegern zuzuordnen.
Helme: hierzu gibt es eine separate Abhandlung (hier)
Schmuck: Die Archäologen haben in Männergräbern
so gut wie keinen Schmuck gefunden, der bildet eher die Ausnahme. Selbst
Ringe, die bei den Germanen besondere Bedeutung hatten, gibt es hier
im Sachsenland nichts nennenswertes. Von den wenigen Schmuckfunden auf
mit Ketten behangene Raufbolde zu schließen, trifft also nicht
die nachvollziehbare Wirklichkeit.
Ganz selten sind überhaupt Thorshämmer bei Männern gefunden
worden, und die auch nur in den wikingisch beeinflussten Gebieten. Ein
Thorshammer ist also eher Frauenschmuck! Dagegen wurden sehr häufig
Glasperlenketten in beachtlicher Menge in Frauengräbern gefunden.
Die Qualität der Glasperlen ist zum Teil so hoch, dass es bis heute
nicht möglich ist, bestimmte Typen nachzuvollziehen (Schachbrett-Muster).
Leider fehlen interpretierbare Funde zur Religion bei den Sachsen ganz.
Man kann zwar aus der Art der Bestattung Rückschlüsse ziehen
(Nord- Süd, Ost-West) Körpergrab, Kammergrab, Brandgrab etc,
aber anhand von Beigaben genaueres zu erklären, will nicht gelingen.
Nur, ob es ein christliches Grab oder das eines Ahnenverehrers war,
kann man ziemlich genau bestimmen.

Weiter Dinge die gefunden wurden:
Schlageisen, um Funken aus dem Feldspat zu schlagen, Klappmesser,
möglicherweise als Rasiermesser genutzt, Pinzetten für die
Bartpflege und Sporen bei Reiterkriegern.
Bei den Frauen wurden neben den Glasperlen immer wieder Spinnwirtelgewichte
gefunden, Glasbecher oder andere Gefäße, Armreifen, wertvolle
Fibeln und Anstecknadeln.
Gürtelgarnituren waren im 8. Jahrhundert bei beiden Geschlechtern
meist schlicht und aus Eisen, allerdings gibt es hier auch Ausnahmen.