Ringburgen bei den Altsachsen


Gross Raden - Slawnburg

Um sich vor Gegnern zu schützen und die eigene Verteidigungfähigkeit zu verbessern wurden schon sehr früh runde Erdwälle als künstliche Verteidigungsanlagen benutz. Oft wurden natürliche Hindernisse wie Seen oder Flüsse, Hügel oder Kuppen miteinbezogen, um so schnell größere Anlagen herzustellen.

Auch den Altsachsen wird zugeschrieben, dass Sie sich mittels solcher Erdwallanlagen „Ringburgen“, geschützt haben.

Ein Art Vorläufer dieser Wälle war die oft erprobte Wagenburg der Germanen während der sogenannten Völkerwanderung. Diese bewährte Technik wurde sowohl von den amerikanischen Siedlern in der Pionierzeit als auch von den Buren in Afrika erfolgreich kopiert.

Zu den Erdwallanlagen gibt es eine Vielzahl von archäologischen Funden deutschlandweit, und besonders auch im alten Siedlungsgebiet der Altsachsen. Viel schwerer ist aber eine zeitliche Zuordnung und eine exakte Nutzung. Historiker und Archäologen können hier derzeit kaum eindeutig feststellen wann und wozu welche Anlage genutzt wurde.

Bisher ist man sich einig, dass die Anlagen die bis in das erste Jahrhundert n. Chr gebaut und genutzt wurden, hauptsächlich als Fluchtburgen angelegt waren. Diese sind mit ziemlicher Sicherheit auf die Kontakte mit den Kelten zurück zu führen, die durch Ihren Einfluß auch diese Art der Verteidigungsanlagen mitbrachten.

Eine dieser Anlagen ist definitiv als Burg zu bezeichnen. Es handelt sich um die „Heidenschanze bei Sievern“ im Kreis Wesermünde. Diese als keltisch identifizierte Anlage war von drei Holz-Erde-Mauern umgeben und wurde in der ersten Hälte des 1. Jahrhunderts aufgegeben.

Auch bei Wittorf, im Kreis Rotenburg Wümme gibt es eine Ringburg, die aus dieser Art Umwallung bestand. Diese Anlage ist aber bedeutend älter und ist möglicherweise die älteste und nördlichste Ihrer Art. Interessant ist hier aber auch, dass in wenigen Metern Entfernung eine alte sächsische Siedlung stand, die über einen sehr langen Zeitraum genutzt wurde, definitiv bis in die Zeit der Sachsenkriege gegen Karl den Großen.

Hier ist bisher nicht bekannt, ob die Sachsen alte Wehranlagen Ihrer Vorfahren bzw der Kelten genutzt haben, oder sie gar weiter ausgebaut haben. Wenn diese aber in militärischer Hinsicht nützlich gewesen sind, ist eine Nutzung wohl nicht auszuschließen.

Erst im 7. und 8. Jahrhundert n.Chr. sind dann wieder verstärkt Ringburgen gebaut worden. Sicher liegt dies zum einen daran, dass die Zeiten, mit dem Höhepunkt der Sachsenkriege, deutlich kriegerischer wurden, zum anderen änderte sich die germanische Stammesgesellschaft der Altsachsen langsam hin zu einer feudalen, frankisch beeinflussten Gesellschaft. Hier wird der Einfluß der Franken auf Ihre Nachbarn besonders deutlich.

Noch wenig erklärbar sind die Erdwallanlagen der sogenannten „Weserfestung“, eine Vielzahl von Ringburgen und Wällen in den Bereichen von Wesergebirge, Wiehengebirge, Teutoburger Wald und Sauerland.
In wie weit die Eresburg oder die Teutoburg dazu zu zählen sind, ist ebenfalls ungeklärt. Zumindest bei der Eresburg scheint es sich um eine von den Sachsen ausgebaute und benutze Burg gehandelt zu haben, die mehrfach in den Sachsenkriegen umkämpft war. Zumindest war sie als militärisches Ziel so wichtig, dass die Franken diese erobert haben und somit Erwähnung in den Überlieferungen fand.


Gross Raden

Einige Anlagen, bei denen es sich um Ringburgen handeln könnte und die von den Sachsen benutzt wurden, sind:

Babilonie bei Lübbecke (Wiehengebirge)
Brunsburg bei Höxter (Weserbergland)
Iburg bei Driburg (Eggegebirge, ältere Anlage!)
Tönsberglager bei Oerlinghausen (Teutoburger Wald, ebenfalls ältere Anlage)
Dietrichsburg bei Melle
Dehmer Wallburg
Grotenburg bei Detmold (ältere Anlage)
Hünenburg bei Bielefeld (ältere Anlage)
Limberg im Wiehengebirge
Nammerburg im Wesergebirge
Reineberg im Wesergebirge
Wittekindsburg (Porta Westfalica)
Heidestadt bei Wesermünde
Heidenschanze bei Wesermünde
Herlingsburg bei Pyrmont (Lipper Bergland)
Hünenburg bei Göttingen
Hünstollen bei Göttingen
Loghingeburg bei Neustadt a.R.
Hunnenschans am Uddeler Meer (Holland)
Reitlingsburg bei Braunsschweig

Die Namensgebung erfolgte oft in späteren Zeiten, so dass die oben erwähnten Bezeichnungen nicht die von den Sachsen benutzen Namen der Anlagen gewesen sein dürften. In späteren Zeiten war den Menschen weder bekannt wozu diese Anlagen genutzt wurden, noch wer sie erbaut hat, so dass der Volksmund oft zusammen mit einer Sage oder Geschichte diese Anlage benannt hat.

Die älteren Anlagen mögen von Kelten angelegt worden sein, hier liegen aber keine eindeutigen Hinweise derzeit vor.
Aus den Slawischen Gebieten weiß man ebenfalls von Ringburgen und großen Festungsanlagen in Erdbauweise, ein gutes Beispiel hier ist die Freilichtanlage in Groß Rhaden am Sternberger See.

Durch die Kontakte zu den Franken, die quais die Erben der Keltischen Opidae waren, den Slawen mit Ihren großen Burgen als östliche Nachbarn und den Nachlassenschaften der Kelten von Rhein und Donau ist es anzunehmen, dass die Altsachsen Ringburgen gut kannten und wenn schon nicht selber erbaut, dann doch genutzt haben.

Als Weiterentwicklung ist dann die „Motte“ anzusehen, aus der sich dann langsam die allen bekannte „Ritterburg“ aus Stein mit Bergfried, Wassergraben, Türmen und Mauern entwickelt hat.

Erst mit Einführung der Kanone im 30 jährigen Krieg ging man wieder dazu über Städte und Festungen durch Erdwälle zu schützen, diese waren aber deutlich größer um dem Beschuß der Artillerie stand zu halten.

Es ist auch davon auszugehen, dass die Truppen Karls des Großen Anlagen angelegt bzw genutzt und ausgebaut haben, um sich vor den Überfallen der Sachsen besser schützen zu können.

Wie eine altsächsische Ringburg ausgesehen haben mag, zeigt ein Model aus dem Landesmuseum Hannover.

Modell einer kleineren sächsischen Wallburg: Burg Stöttinghausen im Kreis Bremen


Dat Beekfolk - Papaschlumpf