Das tanzende Pferd

Das Wappen des Landes Niedersachsen zeigt das weiße Roß. Dieses Symbol wurde bei der Wiederentstehung als selbständiges Gebiet von dem “roten Welfen” Wilhelm Kopf, dem ersten Ministerpräsidenten Niedersachsens, als offizielles Zeichen des Landes vorgeschlagen. Ein Wappen des 20. Jahrhunderts also? Die bürokratische Nebenerscheinung einer durch das Kriegsende bedingten Verwaltungseinheit? Äußerlich ja, doch gleichzeitig eine für die Landeskunde interessante Rückkehr zu den Grenzen und Zeichen, die in ähnlicher Weise vor bereits 1500 Jahren Gültigkeit hatten. Sie standen so bereits am Beginn der Wanderung des Namens eines Volkes, welches seine Heimat nie verlassen hat.
Man denkt heute bei dem Begriff “Sachsen” an die von uns getrennten Gebiete östlich der Elbe, diese erhielten den Namen jedoch erst nach Erbstreitigkeiten im Hochmittelalter.
Altsachsen aber, das geographisch identisch ist mit Niedersachsen und dem nördlichen Westfalen, war bereits viele hundert Jahre alt.
Betrachtet man die Darstellung auf dem Wappen näher, so erkennt man, daß das Pferd nicht steigt, wie beispielsweise auf dem westfälischen Wappen, sondern springt. Es gibt eine reiche Literatur über die niedersächsische Pferdesymbolik, besonders auch über die Giebelzier der
Bauernhäuser mit den beiden Pferdeköpfen; um das Roß aber nicht von hinten aufzuzäumen, will ich die Geschichte der Gründung des Landes, so wie die Altsachsen sie kannten, erzählen:

Die Göttin Freya verwandelte sich in ein mächtiges Roß, das über das Land hinsprang. Kreuz und quer tanzte es über das noch ursprüngliche Land mit seinen Mooren und Wäldern. Wo seine Hufe den Boden berührten, dort entstanden Siedlungen, und sie begannen zu wachsen. Als die Göttin dies sah, kehrte sie heim.